Agentic Commerce: Marken brauchen jetzt zwei Erlebnisse

, Alexander El-Meligi

Agentic Commerce: Marken brauchen jetzt zwei Erlebnisse

Agentic Commerce bedeutet, dass KI-Agenten für Menschen recherchieren, vergleichen und einkaufen. Der erste Kontakt mit einer Marke ist damit immer öfter kein Mensch, der scrollt, sondern ein Agent, der filtert. Marken brauchen deshalb zwei Erlebnisse: eines, das ein Agent lesen kann, und eines, das ein Mensch fühlen kann.

Wenn Konkurrenten sich einigen

Eines meiner Lieblingsdetails dieses Jahres: Google, Amazon, Meta, Microsoft, Salesforce und Stripe sind sich selten einig. Aber darüber, wie Software für uns einkauft, offenbar schon. Seit April 2026 sitzen sie gemeinsam im Gremium, das das Universal Commerce Protocol steuert, einen offenen Standard dafür, wie KI-Agenten mit Händlern interagieren, von der Produktsuche bis zum Checkout. Darauf baut unter anderem Googles Universal Cart auf, die im Sommer 2026 startet und einen Agenten Käufe recherchieren, vergleichen und zusammenstellen lässt.

Ich habe gelernt, genau hinzusehen, wenn sich Konkurrenten auf einen Standard einigen. Das ist meist der Moment, in dem eine Entwicklung aufhört, Demo zu sein, und Infrastruktur wird. Es ist dasselbe Muster, das mich Gaussian Splatting ernst nehmen ließ.

Der Agent filtert zuerst

Darin steckt eine Designfrage, die viele Marken noch nicht auf dem Schirm haben. Bei einem wachsenden Teil der Käufe sieht nicht mehr zuerst ein Mensch das Angebot, sondern ein Agent, der vorsortiert. Damit teilt sich der Auftrag in zwei Teile.

Der erste Teil: Das Angebot muss maschinenlesbar werden, also strukturiert, vergleichbar und für Agenten zugänglich. Wer das nicht ist, taucht in der Vorauswahl schlicht nicht auf. Das klingt nach IT, ist aber eine Markenentscheidung. Was ein Agent über ein Produkt erfährt, entscheidet darüber, ob ein Mensch es je zu sehen bekommt.

Die menschliche Seite wird wertvoller

Der zweite Teil wird gern übersehen: Die menschliche Seite schrumpft nicht, sie verdichtet sich. Wenn Agenten das Recherchieren, Vergleichen und Nachbestellen übernehmen, werden die wenigen Momente, in denen ein Mensch einer Marke wirklich begegnet, zu den Orten, an denen Präferenz entsteht: auf einer Messe, im Store, mit dem Produkt in der Hand.

Erlebnisse sind dann kein Marketingkanal unter vielen mehr. Sie werden zu dem Ort, an dem die Beziehung entsteht. Ein interaktives Produkterlebnis wie unser 3D Product Explorer auf der Messe oder im Showroom ist genau so ein Moment: Dort trifft ein Mensch eine Entscheidung, die ihm kein Agent abnimmt.

Früh und noch offen

Vieles davon ist früh. Die ersten Angebote starten in den USA, und wie bereitwillig Menschen Kaufentscheidungen tatsächlich abgeben, ist noch nicht belegt. Es wird Kategorien geben, in denen Agenten fast alles übernehmen, und andere, in denen sie kaum eine Rolle spielen.

Trotzdem lohnt es sich, jetzt darauf vorzubereiten. Wer sein Angebot erst maschinenlesbar macht, wenn die Agenten schon einkaufen, steht in der Vorauswahl hinten an.

Zwei Erlebnisse

Marken brauchen künftig zwei Erlebnisse: eines, das eine KI verarbeiten kann, und eines, das ein Mensch fühlen kann. Und das zweite ist gerade wertvoller geworden, nicht weniger wertvoll.

Wie wir digitale Produkterlebnisse und Commerce-Lösungen für beide Seiten gestalten, zeigen wir unter Digital Commerce.