Smart Glasses: Tragbarkeit ist das Produkt
, Alexander El-Meligi

Der Markt für Smart Glasses entwickelt sich in eine klare Richtung: weniger. Erfolgreich sind nicht die Brillen, die am meisten können, sondern die, die wenige Dinge so gut machen, dass man sie den ganzen Tag trägt. Tragbarkeit ist dabei kein Kompromiss, sondern das eigentliche Produkt.
Zwei Meldungen, eine Woche
Im Juli 2026 lagen zwei Meldungen nur eine Woche auseinander. Even Realities sammelte 150 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von einer Milliarde ein, für eine Brille, die bewusst keine Kamera hat. Nur ein dezentes Display für Navigation, Übersetzung und Benachrichtigungen.
Gleichzeitig stellte Lenovo seine Enterprise-XR-Sparte ein und verlagerte alle Wearables zu KI-Geräten für Endkunden unter der Marke Motorola. Ein Unternehmen wird dafür belohnt, Technik wegzulassen. Das andere verabschiedet sich von dem Gerät, das alles können sollte.
Tragbarkeit schlägt Fähigkeit
Das Muster dahinter: Tragbarkeit schlägt Fähigkeit. Der maximalistische Ansatz ist nicht tot, Snap bietet seine Specs für 2.195 US-Dollar an. Aber er wird zum Feld für Entwickler und Early Adopter, während das Alltagsprodukt durch Weglassen entsteht.
Vor drei Jahren habe ich beschrieben, wie Smart Glasses das Smartphone ablösen könnten. Der Weg dahin sieht anders aus als damals gedacht: nicht über maximale Fähigkeiten, sondern über Alltagstauglichkeit.
Die richtige Frage
Die Frage lautet nicht mehr: Was kann die Brille? Sondern: Welche wenigen Dinge macht sie so gut, dass man sie den ganzen Tag trägt? Wenige, richtig gewählte Anwendungsfälle schlagen jedes Datenblatt.
Für Marken heißt das: Anwendungen für Brillen werden nicht wie Apps gebaut. Sie müssen in Sekunden nützlich sein, oft ohne Bildschirm, und dürfen nicht stören. Damit rückt das Verhalten in den Vordergrund, ein Gedanke, den ich im Artikel über Ambient AI weiter ausführe.
Was seitdem passiert ist
Die These hat sich schneller bestätigt als erwartet. Zwei Tage nach diesem Text stellte Samsung im Juli 2026 eine KI-Brille ganz ohne Display vor. Im September folgte Meta auf der Connect mit der Ray-Ban Meta Audio, einer Brille ganz ohne Kamera und laut Meta die leichteste KI-Brille des Unternehmens bisher.
Ausgerechnet der Marktführer, dessen Brillenlinie um die Kamera herum gebaut ist, bringt jetzt eine Variante ohne sie. Das Alltagsprodukt entsteht durch Weglassen.
Weniger, aber richtig
Tragbarkeit ist nicht der Kompromiss. Sie ist das Produkt. Und für Marken wird die spannende Aufgabe sein, für diese wenigen Momente Erlebnisse zu gestalten, die sich wie selbstverständlich anfühlen.
Wie wir Augmented-Reality-Erlebnisse für Marken entwickeln, zeigen wir unter Augmented Reality.